
Materialtransporte für den Bau
Mai 1, 2026
Schwerlasttransporte planen
Mai 16, 2026Welche Alternative ist besser?
Solarmodule sind gefragt. Doch auf welchem Weg sollten Schweizer Unternehmen sie beschaffen? Lohnt sich der Direktimport aus China? Oder ist der Bezug über einen EU-Hafen sinnvoller? Auf den ersten Blick scheint der EU-Weg einfacher und günstiger. In der Praxis ist das jedoch ein weit verbreitetes Missverständnis. Denn die wirtschaftlich beste Lösung hängt von vielen Umständen ab. Aspekte wie Einkaufspreis, Lieferzeit, Zollabwicklung, Verfügbarkeit und Risiko spielen dabei eine Rolle. Wer Solarmodule importieren will, muss die gesamte Lieferkette im Blick haben.
Direktimport oder Bezug ab EU-Hafen?
China oder Europa? So lässt sich die Frage zuspitzen, vor der viele Schweizer Unternehmen beim Einkauf von Solarmodulen stehen. Tatsächlich greift dieser Gegensatz aber zu kurz. Denn auch Module, die ab EU-Hafen verfügbar sind, stammen häufig ursprünglich aus China. Der eigentliche Unterschied liegt also nicht in der Herkunft der Ware, sondern im Beschaffungsweg.
- Beim Direktimport kaufen Unternehmen unmittelbar beim Hersteller oder Händler in China ein und organisieren die gesamte Transportkette bis in die Schweiz.
- Beim Bezug ab EU-Hafen befinden sich die Module bereits in Europa, zum Beispiel in einem Hafenlager oder Distributionszentrum. Sie können von dort aus weitertransportiert werden.
Die zweite Alternative wirkt auf den ersten Blick einfacher und wirtschaftlich naheliegend. Der Weg ist kürzer und der Beschaffungsprozess dadurch scheinbar unkomplizierter. Ob der Bezug ab EU-Hafen am Ende auch wirtschaftlicher ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Ausgangspunkt für die Kalkulation ist meistens der Modulpreis.
Wo ist der Modulpreis niedriger?
Die Frage nach dem günstigeren Einkaufspreis für Solarmodule lässt sich nicht pauschal beantworten. Dafür sind die Unterschiede je nach Einkaufsweg und Marktsituation zu gross. In der Praxis lassen sich jedoch zwei typische Fälle unterscheiden.
- Der Einzelpreis ist beim Direktimport in der Regel tatsächlich günstiger, insbesondere bei grösseren Mengen, standardisierten Modulen und Flexibilität bei der Vorlaufzeit.
- Ab EU-Hafen sind niedrigere Modulpreise eher die Ausnahme. Preisvorteile entstehen etwa bei der Räumung von Lagerbeständen oder dem Abverkauf älterer Modultypen.
Der reine Modulpreis allein sagt jedoch noch wenig darüber aus, welcher Beschaffungsweg wirtschaftlicher ist. Denn zum Einkauf kommen weitere Kostenfaktoren hinzu: Transport, Zollabwicklung, Einfuhrabgaben, Zwischenlagerung und der organisatorische Aufwand der gesamten Importkette. Ein günstigerer Einkauf in China kann dadurch teilweise relativiert werden.
Umgekehrt ist Ware ab EU-Hafen bereits beim Einzelpreis häufig höher kalkuliert, weil ein Teil der Logistik bereits erledigt wurde. Dafür können Schweizer Unternehmen von kürzeren Lieferzeiten und besser planbaren Abläufen profitieren. Gerade bei zeitkritischen Projekten gleicht dies den höheren Modulpreis wirtschaftlich oft aus.
Steuer- und zollrechtliche Unterschiede
Welchen Unterschied macht es, ob Solarmodule direkt aus China oder über einen EU-Hafen in die Schweiz importiert werden? Tatsächlich ist der steuerliche Unterschied auf Schweizer Seite kleiner, als viele vermuten. Denn unabhängig davon, ob Solarmodule direkt aus China oder ab EU-Hafen bezogen werden, fällt bei der Einfuhr in die Schweiz grundsätzlich die schweizerische Einfuhrsteuer an. Diese beträgt im Regelfall 8,1 Prozent. Sie wird auf den Warenwert inklusive der Kosten bis zum Bestimmungsort in der Schweiz berechnet.
Zollrechtlich ist es differenzierter. Hier kommt es auf den Status der Ware im EU-Hafen an.
- Bleiben die Solarmodule dort im Transit, ist der Unterschied zum Direktimport gering.
- Anders ist es, wenn die Ware innerhalb der EU bereits in den freien Verkehr überführt wurde. Dann wurde sie bereits in die EU eingeführt.
Hinzu kommt folgender Aspekt: Seit Anfang 2024 hat die Schweiz die Industriezölle für Waren der Kapitel 25 bis 97 des Zolltarifs grundsätzlich aufgehoben. Solarmodule zählen zolltariflich grundsätzlich zu den Industriegütern und fallen unter Kapitel 85 des Zolltarifs, dort unter die Tarifnummern 8501 und 8541.
In der Praxis verschiebt sich die Frage deshalb bei vielen Importen weg vom eigentlichen Zollsatz und hin zu Themen wie Dokumentation, Ursprungsnachweis und korrekter Zollabwicklung. Gerade beim Bezug ab EU-Hafen sollte also genau geprüft werden, ob die Ware dort nur zwischengelagert wurde oder bereits zollrechtlich in den freien Verkehr gelangt ist.
Welche Unterlagen und Nachweise müssen stimmen?
Unabhängig vom Beschaffungsweg sollten bei Solarmodulen die technischen Unterlagen, die Handelsrechnung, die Packliste, der Ursprungsnachweis, Prüf- und Konformitätsunterlagen sowie Angaben zur Seriennummer, Chargenrückverfolgbarkeit und Garantie vollständig und plausibel vorliegen. Denn es gilt: Je besser die Ware dokumentiert und je klarer ihre technischen und rechtlichen Nachweise sind, desto geringer ist das Risiko von Verzögerungen beim Import.
Der Unterschied zwischen Direktimport aus China und dem Bezug ab EU-Hafen liegt dabei oft weniger in den formalen Anforderungen als im Vorbereitungsgrad der Ware.
- Beim Direktimport müssen Prüfung, Dokumentation und Nachverfolgbarkeit in der Regel stärker vom Käufer oder seinem Logistikpartner abgesichert werden.
- Beim Bezug ab EU-Hafen ist die Ware häufig bereits weiter geprüft und dokumentiert. Das macht die Abwicklung leichter.
Wichtig: Der Lagerort allein ist jedoch noch kein Qualitätsnachweis. Entscheidend ist, wie vollständig die Unterlagen tatsächlich sind.
Fazit
China oder EU-Hafen? Beim Modulpreis liegt der Direktimport aus China meist vorn. Beim Gesamtpaket kann der Bezug ab EU-Hafen dennoch die bessere Lösung sein. Denn in der Praxis entscheiden nicht nur Einkaufskosten, sondern auch Lieferzeit, Verfügbarkeit, Dokumentation, Importabwicklung und Risiko. Nicht nur der Modulpreis zählt, sondern die gesamte Lieferkette.
